Zuverlässige Prognosen sind kaum möglich

Anlegen Sieben Grundregeln, die auch in schwierigen Zeiten gelten

Wie soll Geld derzeit angelegt werden? Die Verunsicherung ist angesichts der Turbulenzen auf den Finanzmärkten gross. Auch in schwierigen Zeiten gelten einige Grundregeln, die in den letzten Jahren nicht immer eingehalten wurden. Nachfolgend die sieben wichtigsten.

Aus Ramschhypotheken schufen Finanzakrobaten Kreditprodukte von derart grosser Komplexität und Intransparenz, dass sich selbst internationale Bankinstitute unsäglich verspekuliert und in Schieflage manövriert haben. Die Banken trauen sich gegenseitig nicht mehr, die Kunden trauen ihnen noch weniger. Die Ursache ist mitunter, dass viele Banker unter dem Druck kurzfristiger finanzieller Anreize von Beratern zu Verkäufern mutiert sind. Das Kundeninteresse bleibt bisweilen auf der Strecke. Wer Geld anlegen will, sollte folgende Grundregeln beachten:

1 Suchen Sie sich einen Vermögensverwalter, dessen finanzielles Wohlergehen nicht davon abhängt, wie viele Produkte er Ihnen verkauft oder wie oft er Ihr Portfolio umschichtet.

Die Banken haben diese Kreditprodukte im naiven Glauben an den risikolosen Mehrertrag in ihre Bilanzen sowie in Anlageprodukte für Kunden geladen. Statt eine vermeintlich hohe risikolose Rendite zu erzielen, sehen sich heute viele Anleger mit Verlusten konfrontiert, die sogar diejenigen des Aktienmarktes übersteigen. Wenn etwas zu gut aussieht, um wahr zu sein, dann ist es das auch!

2 Den risikolosen Mehrertrag gibt es nicht, eine höhere Rendite erkaufen Sie immer mit mehr Risiko.

Das Fiasko vieler Banken ist letztlich auf die Illiquidität der komplexen Kreditprodukte zurückzuführen. Ähnlich illiquid sind Private-Equity-Anlagen. Solche Positionen sind objektiv nicht bewertbar, das beliebige Festlegen eines Nettoinventarwertes täuscht lange Zeit eine Scheinstabilität vor. Erzeugt eine Krise genügend Verkaufsdruck, kollabiert der Wert der illiquiden Positionen.

3 Investieren Sie nur in solide, börsengehandelte und liquide Vermögenswerte.

Das Problem der Illiquidität wurde durch den massiven Einsatz von Fremdkapital akzentuiert. Einigen Banken und hoch gehebelten Hedge Funds hat dies bereits die Existenz gekostet, denn in Krisen schmilzt zwar der Wert der Anlagen, aber die Schulden vermindern sich nicht. Leverage führt schnell zum finanziellen Ruin.

4 Beschränken Sie den Fremdkapitaleinsatz auf ein Mass, das nie existenz-gefährdend wird.

Ähnlich wie Hollywood verkauft auch die Finanzindustrie Illusionen. Die Finanzprodukte scheinen das Unmögliche möglich zu machen. Gekonnt sprechen die Marketing-Spezialisten Bedürfnisse der Anleger an: Hedge Funds sollen unabhängig vom Marktumfeld eine positive Rendite abwerfen und somit unangenehme Verluste vermeiden. Fakt ist, dass Investitionen in Hedge Funds während der aktuellen Krise zu Verlusten führten, die jene eines traditionellen Mischportfolios übersteigen. Das Marketing-Versprechen wurde folglich nicht gehalten. Wunder geschehen doch nur in Hollywood.

5 Meiden Sie komplexe, intransparente und daher teure Anlagevehikel und investieren Sie nur in das, was Sie verstehen.

Auch strukturierte Produkte sprechen Bedürfnisse an. Wer möchte nicht einen «sicheren» Coupon von sensationellen 10 Prozent haben? Sicherheitsorientierten Anlegern wurden vor einem Jahr Barrier Reverse Convertibles verkauft, ohne das eingegangene Risiko genügend zu erklären. Würden diese Anleger wissentlich komplexe Put Optionen verkaufen und überdies ein beachtliches Gegenparteirisiko eingehen? Grosse Verluste sind keine Seltenheit, weil die Anleger nun aus einem Aktienkorb zu hohen Preisen die schlechteste Aktie, meist eine kollabierte Finanzaktie, übernehmen müssen. Beim Ausfall des Emittenten ist sogar ein Totalverlust zu beklagen. Vielen Investoren wurde zusätzlich zum Verhängnis, dass nach den Kursavancen der Finanztitel Anfang 2007 alle Produktschmieden zeitgleich Zertifikate auf Banken und Versicherungen emittierten. Dem Anleger wurden verschiedene Produkte mit ähnlicher Rückzahlungsmodalität verkauft, das Risiko potenzierte sich. Nun müssen Finanzaktien aus verschiedenen Produkten übernommen werden; eine massive Titel- und Branchenkonzentration ist die Folge.

6 Machen Sie nie Anlagen, die den Grundsatz der Diversifikation aushebeln.

Viele «Finanzexperten» schüren bei den Anlegern die Erwartung, sie wüssten, wo der Kurs von Novartis in einem Monat liegt, ob der Dollar kurzfristig steigt oder die Zinsen zurückgehen. Fakt ist, dass zuverlässige Prognosen kaum möglich sind; die meisten «Experten» und Anleger überschätzen ihre Prognosefähigkeit systematisch. Es gibt kaum ein Investor, der mit kurzfristiger Spekulation langfristigen Wohlstand erreicht hätte. Eine erfolgreiche Kapitalanlage erfordert Geduld und Nerven. Fundamental ist die Wahl einer strategischen Vermögensaufteilung, die dann konsequent durchgezogen wird – auch bei Marktturbulenzen.

7 Kurzfristiges Spekulieren bringt nichts; entscheidend ist, dass Sie eine Vermögensaufteilung festlegen und langfristig konsequent umsetzen.

Gier und Panik sind schlechte Ratgeber, denn sie verdrängen diese scheinbar trivialen Grundregeln der erfolgreichen langfristigen Kapitalanlage immer wieder. Eine seriöse Vermögensanlage ist derart unspektakulär, dass sie kaum in die Welt der marketinggetriebenen Effekthascherei passt.


11. Oktober 2008


Autoren

THOMAS HAUSER
ist geschäftsführender Partner der Dr. Pirmin Hotz Vermögensverwaltungen AG.


Kategorien
  • Alternative Anlagen
  • Diversifikation
  • Direktanlagen und Transparenz
  • Prognosefähigkeit
  • Langfristig

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