Die sieben Sünden bei der Kapitalanlage

Anleger begehen immer wieder die gleichen Fehler

In den letzten zwei Jahren sind einige Gewitter über die Finanzmärkte hereingebrochen. Obschon man durch solche Debakel eine Läuterung der Anleger erwarten würde, begehen sie immer wieder die gleichen Fehler. Nachfolgend die 7 häufigsten:

1 «Immer der Herde nach»
Anleger tendieren dazu, ähnlich den Schafen in einer Herde das Gleiche zu tun wie alle anderen. Das Verhalten wird dadurch prozyklisch, man kauft (zu) teuer und verkauft (zu) billig. Die langsamen Schafe setzen oft zu spät auf einen vermeintlichen Trend. Vernünftiger wäre, wenn sich der Anleger Rechenschaft bezüglich seiner Risikofähigkeit und -bereitschaft ablegen und eine langfristige sowie antizyklisch disponierte Aktienquote festlegen würde. Die Strategie muss bei jedem Börsenwetter durchgehalten werden.

2 «Konzentration auf 3 Perlen»
Viele Personen neigen zum extremen Stock-Picking. In der Überzeugung, die drei «richtigen» Aktien oder Produkte zu kaufen, gehen sie immense Klumpenrisiken ein. Die Kurse von liquiden Finanz-werten, wie Aktien oder Währungen, sind aber kurzfristig kaum prognostizierbar – auch wenn die vielen Analystenberichte vom Gegenteil überzeugen wollen. Negative Nachrichten, begleitet von entsprechenden Kursstürzen, kommen jeweils für alle überraschend. Folglich gibt es den richtigen Einzeltitel nicht, es gibt nur die konsequente Diversifikation der Einzelrisiken.

3 «Allzeit bereit»
Die meisten Anleger schauen viel zu oft auf die Kurse – mit der Absicht, rasch handeln zu können, wenn es nötig sein sollte. Die effizienten Märkte reagieren jedoch so schnell auf Neuigkeiten, dass für den durchschnittlichen Investor jede Transaktion zu spät erfolgt. Darüber hinaus macht die Informationsflut die Anleger nervös, welche in der Folge zu viel handeln und zu hohe Transaktionskosten tragen. Es gilt nach wie vor: Hin und her macht die Taschen leer! Statt unkontrolliert und hektisch zu handeln, sind die Risiken genügend breit zu streuen.

4 «Amour für Glamour»
Die Finanzbranche verkauft Illusionen. Hierzu publizieren die Banken mutige Prognosen, schöne Anlageberichte und Titelempfehlungen. Angelockt von überhöhten Renditeaussichten, neigen viele Investoren dazu, Glamour-Anlagen zu kaufen, die mit wohlklingenden Geschichten angepriesen werden. Dies können beispielsweise strukturierte Produkte mit hohen Coupon-Zahlungen oder Aktien aus fernen Märkten mit exorbitanten Wachstumsprognosen sein. Statt auf Glamour und «spannende» Ideen zu setzen, ist es besser, sich an Solides und Bewährtes zu halten und nur in das zu investieren, was man wirklich versteht. Denn Geld fällt nie vom Himmel, auch wenn die Geschichte dazu gut klingen mag.

5 «Nur Bares ist Wahres»
Richtige Gewinne sind realisierte Gewinne – so sehen es die meisten. Gute Titel werden deshalb zu früh aus dem Portfolio gerissen. Oft wird sogar die Diversifikation preisgegeben, weil nach einem Kursanstieg gleich eine ganze Branche veräussert wird. Die Buchgewinne hängen stark vom Kaufszeitpunkt ab und sind kein Indiz dafür, ob ein Titel künftig noch Potenzial hat. Gewinn realisieren macht nur Sinn, wenn eine bessere Investitionsmöglichkeit zur Verfügung steht, die Aktienquote auf das langfristige Ziel zurückgeführt oder Geld für Konsumzwecke verwendet wird.

6 «Das kommt schon wieder»
Während Gewinne zu rasch realisiert werden, vermeiden es viele Anleger, Buchverluste bei gescheiterten Aktien oder Produkten zu realisieren, damit sie sich den Fehlentscheid nicht eingestehen müssen. Es gilt aber auch in diesem Fall, dass nicht die Vergangenheit, sondern das zukünftige Potenzial entscheidend ist. Wenn es bessere Investitionsalternativen gibt, sollte umgeschichtet werden. Denn effektiv realisiert ist der Verlust erst, wenn Geld aus der Aktienanlage für andere Zwecke abgezogen wird.

7 «Retten, was übrig ist»
Durch eine (scheinbare) Verlustbegrenzung mittels Limiten torpedieren viele Anleger ihre langfristigen Ziele. Denn während bei gescheiterten Einzeltiteln der Verkauf oft zu lange hinausgeschoben wird, werden bei einem Börsengewitter oft fundamental solide Aktienportfolios durch Stop-Loss-Limiten vollständig liquidiert. Dies führt zu einer Verschlechterung der Diversifikation, meist zum Ausstieg zur Unzeit und schafft ein neues Problem: den Zeitpunkt des Wiedereinstiegs. Kaum jemand, der schon auf dem Abwärtsweg der Börse Angst bekommt und verkauft, schafft es, noch tiefer bei noch schlechterer Stimmung wieder zu kaufen! Die meisten wagen den Wiedereinstieg erst viel zu spät, sodass die scheinbare Verlustbegrenzung zu einem schlechteren Ergebnis führt, als wenn man investiert geblieben wäre. Bernhard Baruch meinte um 1900 zum perfekten Timing treffend: «Kaufe nicht, wenn der Kurs am niedrigsten ist, verkaufe nicht, wenn der Kurs am höchsten ist – das können nur Lügner.»


19. Dezember 2009


Autoren

THOMAS HAUSER
ist promovierter Ökonom und arbeitet als geschäftsführender Partner der Dr. Pirmin Hotz Vermögensverwaltungen AG.


Kategorien
  • Diversifikation
  • Antizyklisch
  • Langfristig
  • Timing

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