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Jahresendbericht 2025

Jahresendbericht 2025

Wer die Geschichte von Donald Trump in den Grundzügen kennt und verfolgt hat, kann nicht überrascht sein. Sein Mentor in jungen Jahren war Roy Cohn, der Anwalt seines Vaters. Fred Trump machte als Immobilienentwickler in New York ein grosses Vermögen. Bemerkenswert ist, wie sein Junior es schafft, mit der Welt so zu spielen, als sei sie ein Puppentheater.

Roy Cohn vertrat mit Begeisterung Mafiosi vor Gericht und liess sich bereitwillig von Gangstern kaufen. Er vertrat bei Rechtsstreitigkeiten auch die Trumps und gab dem jungen Donald drei Ratschläge, die das Leben des amtierenden amerikanischen Präsidenten bis heute prägen. Erstens: «Gib nie zu, dass Du im Unrecht bist, auch wenn Du klar schuldig bist.» Zweitens: «Greife Deine Kritiker immer aggressiv an und gehe in den Gegenangriff, statt Dich zu verteidigen.» Drittens: «Zeige niemals eine Schwäche, sondern demonstriere Stärke und Dominanz – koste es, was es wolle.»

«Mich interessiert nicht, wie das Gesetz lautet, sondern wer der Richter ist.»

Roy Cohn, amerikanischer Anwalt und Berater von Fred Trump (1927 – 1986)

Die Ratschläge von Roy Cohn hat Donald Trump verinnerlicht und im Laufe seines Lebens in Perfektion umgesetzt – in seiner Geschäftswelt genauso wie in der Politik. Diese Eigenschaften sind im Grunde nichts Neuartiges bei Staatschefs, denn ein Grossteil der Länder dieser Erde wird bekanntlich von Diktatoren regiert. Neu ist «einzig», dass es Trump gelungen ist, Diktator oder zumindest Möchtegern-Diktator in einer der angesehensten Demokratien der Welt, den Vereinigten Staaten von Amerika, zu werden.

«Nicht die Diktatoren schaffen Diktaturen, sondern die Herden.»

Georges Bernanos, französischer Schriftsteller (1888 – 1948)

Anfang August feuerte Trump Erika McEntarfer, Chefin des Bureau of Labor Statistics (BLS), weil sie Arbeitsmarktdaten präsentierte, die dem Präsidenten nicht passten. «Wir brauchen genaue Arbeitsplatzzahlen. Ich habe mein Team beauftragt, die von Biden ernannte Präsidentin sofort zu entlassen», verkündete Trump auf seiner Plattform «Truth Social» und behauptete, die publizierten Daten seien «ein totaler Betrug». Noch im Frühjahr hatte Trump die Arbeitsmarktdaten derselben BLS-Chefin vorbehaltlos gefeiert. Nachfolger von McEntarfer ist Erwin J. Antoni, ein Vertrauter des Präsidenten. Auf «Truth Social» doppelte Trump nach: «Unsere Wirtschaft floriert, und E.J. wird sicherstellen, dass die veröffentlichten Zahlen EHRLICH und AKKURAT sind.» Die krude Verdrehung der Wahrheit durch den «ehrlichsten» Mann dieses Planeten lässt sich auch so auf den Punkt bringen: Traue keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast.

«Solche Dinge würde man sonst nur in einer Bananenrepublik erwarten.»

Janet Yellen, ehemalige amerikanische Finanzministerin und Zentralbankchefin, Interview in der «New York Times», 3. August 2025

Trump steht für Macht, Selbstvermarktung, Egomanie und Chaos. Das zeigte sich in aller Heftigkeit im April vergangenen Jahres, als er mit seiner Ankündigung eines einseitig verordneten und erratischen Zollregimes die weltweiten Kapitalmärkte in Panik versetzte. In der Folge musste er, wie so oft bei seinen Ankündigungen und Drohungen, zurückrudern. Dieses Drohen und Zurückrudern von Trump brachte ihm den sogenannten Taco Trade ein: «Trump always chickens out – letztlich kneift Trump immer und rudert zurück.» Trump ist die personifizierte Unberechenbarkeit für Politik, Kapitalanleger und unzählige Menschen dieser Welt.

«Je länger ich lebe, desto mehr bin ich davon überzeugt, dass dieser Planet von anderen Planeten als Irrenanstalt genutzt wird.»

George Bernard Shaw, irischer Dramatiker, Politiker, Satiriker und Nobelpreisträger für Literatur (1856 – 1950)

Ein erfreuliches Börsenjahr, trotz Chaos und Unsicherheit.

Wer hätte zu Beginn des Jahres auf ein positives Börsenjahr getippt im Wissen, dass der amerikanische Präsident seinen Partnerländern Zölle in einer Höhe diktieren wird, wie sie die Welt letztmals vor 100 Jahren gesehen hat? Kaum jemand. Eher wäre wohl ein Crash vorausgesagt worden. Dieser blieb zwar aus, doch zwischenzeitlich waren die Kapitalmärkte erheblichen Erschütterungen ausgesetzt. Belastend für die Märkte im abgelaufenen Jahr waren neben dem irren Zollregime auch der langjährige Krieg in der Ukraine, der Gaza-Konflikt und der Angriff der USA auf die iranischen Atomanlagen. Dabei bewahrheitete sich wieder einmal das Sprichwort: «Politische Börsen haben kurze Beine». Am 2. April, dem sogenannten «Liberation Day», verkündete Trump überraschend ein für die Weltwirtschaft verheerendes Zollregime. Kurzfristig zog das die weltweiten Aktienmärkte in die Tiefe, doch die Baisse war nicht nachhaltig und es setzte schon bald eine markante Erholung ein. Die Geschichte wiederholte sich am Freitag, dem 1. August. Trump unterzeichnete eine Executive Order mit umfassenden Zollerhöhungen auf Importe aus rund 66 Ländern, die ab dem 7. August 2025 in Kraft treten sollten. Marktexperten erwarteten für den Montag, 4. August, einen veritablen Aktien-Crash von 10 bis 15 Prozent. Dieser blieb komplett aus – zur Überraschung unzähliger Analysten und Gurus. Zwar starteten die Märkte mit Einbussen von 1 bis 2 Prozent, doch bereits am Ende desselben Tages waren die Verluste wieder aufgeholt. Wir können gut verstehen, dass wir von unseren Kundinnen und Kunden oft nach unserer Meinung zu den Auswirkungen der erratischen Politik Trumps auf die Kapitalmärkte gefragt werden. Im Grunde aber ist es aus Anlegersicht weitgehend Zeitverschwendung, sich mit irrwitzigen Politikern zu befassen.

«Die Dummheit von Regierungen sollte niemals unterschätzt werden.»

Helmut Schmidt, ehemaliger deutscher Bundeskanzler (1918 – 2015)

Ob die Politik Trumps bei all diesen Konflikten für die amerikanischen Bürger am Ende aufgehen wird, ist zweifelhaft. Ein Zeichen, dass das Land der unbegrenzten Möglichkeiten (und Unmöglichkeiten) bereits Schaden nahm, ist der amerikanische Dollar, der im vergangenen Jahr massiv an Wert und Vertrauen verloren hat – im ersten Halbjahr rutschte der Dollar so stark ab wie seit 1973 nicht mehr, als der damalige Präsident Richard Nixon das System der fixen Wechselkurse, welches die Nachkriegszeit geprägt hatte, aufhob. Aus Sicht eines schweizerischen oder deutschen Anlegers sind deshalb die scheinbar attraktiven Renditen, die der Weltindex MSCI World und der amerikanische Aktienmarkt S&P 500 zumindest bis Ende November präsentierten, zu einem grossen Teil eine Fata Morgana.

«Ich staune, wie viel Staunen Trump in Europa auslöst: Wir kannten ihn doch aus seiner ersten Amtszeit.»

Ignazio Cassis, schweizerischer Bundesrat und Aussenminister

In ihrer Ausgabe vom 9. Juli 2025 titelte die «NZZ»: «Trumps Zollpolitik stürzt deutsche Exporteure in die Krise – die Ausfuhren sind auf dem niedrigsten Stand seit über drei Jahren». Diese ernüchternde wirtschaftliche Perspektive kontrastiert mit der erstaunlichen Entwicklung des deutschen Aktienmarkts DAX, der bis Ende November um rund 20 Prozent avancierte. So war der DAX im abgelaufenen Jahr der eigentliche Überflieger unter den westlichen Aktienmärkten. Die herausragende Performance des deutschen Aktienmarktes ist in erster Linie getrieben durch die fulminante Entwicklung des Rüstungskonzerns Rheinmetall sowie die für einmal stark performenden Bankenwerte Deutsche Bank und Commerzbank. Rheinmetall vervierzehnfachte den Kurs seit dem Beginn des Ukraine-Kriegs. Dass Rüstungswerte nicht nur salonfähig, sondern sogar zur Trendbranche mutiert sind, erstaunt. Noch vor wenigen Jahren war ESG (Environmental, Social, Governance) respektive nachhaltiges Investieren das dominierende Thema im Anlagegeschäft. Seit dem Krieg in der Ukraine und der Präsidentschaft Trumps ist ESG in den Hintergrund gerückt und bei vielen Finanzinstituten und deren Kunden in der Versenkung verschwunden. Unsere geschätzten Kundinnen und Kunden wissen, dass wir für eine umfassend nachhaltige Welt stehen, aber bezüglich der Wirkung von nachhaltigen Anlagen immer schon eine realistische und faktenbasierte Haltung einnahmen – daran hat sich nichts geändert. Gleichzeitig waren wir stets zurückhaltend bis ablehnend hinsichtlich des Kaufs von Aktien von Rüstungskonzernen. Während wir somit vor ein paar Jahren mit der Frage «Macht Ihr genug im Bereich nachhaltiger Anlagen?» konfrontiert wurden, ist es heute eher die Frage «Warum habe ich keine Rheinmetall in meinem Portfolio?». Mit dieser «Hü-und-hott-Politik» haben wir unsere Mühe. Eine stetige statt einer wankelmütigen Einstellung zu diesem komplexen Thema ist uns wichtig – das gilt auch bezüglich eines Engagements in Aktien von Grossbanken. Über sehr viele Jahre waren sie die Sorgenkinder der Börse, jüngst erlebten sie eine Auferstehung. Wir werden die weitere Entwicklung sorgfältig beobachten. Solange die international tätigen Bankkonzerne regelmässig mit Klagen und Bussen konfrontiert werden, bleiben wir zurückhaltend.

«Kein Vormarsch ist so schwer wie der zurück zur Vernunft.»

Bertolt Brecht, deutscher Schriftsteller (1898 – 1956)

Per Ende November sind wir mit der Performance unserer Kundinnen und Kunden sehr zufrieden, auch wenn uns einige wenige Einzeltitel enttäuschten. Dass darüber hinaus in den vergangenen zwei Jahren die Performance unserer deutschen Kundinnen und Kunden nicht mit derjenigen des DAX mithalten konnte, ist uns bewusst. Das ist der Preis einer international gut diversifizierten Portfoliopolitik, die wir seit jeher pflegen. Im Unterschied zu vielen unserer Wettbewerber opfern wir unsere Prinzipien nicht einfach deshalb, weil die Mode gerade mal wieder geändert hat. Schliesslich sind wir felsenfest davon überzeugt, dass es wieder Jahre geben wird, in denen deutsche Anleger froh sein werden, dass ihre Portfolios international diversifiziert sind. Wir haben das in der Vergangenheit schon öfters erlebt. 2024 war es der amerikanische Aktienmarkt, der alles überragte und überstrahlte, 2025 der deutsche. Ein Markt ist immer der beste – nur weiss niemand im Voraus, welcher es im nächsten Jahr sein wird.

Künstliche Intelligenz (KI) – eine Technologie erobert die Welt

Ende Januar des vergangenen Jahres liess das chinesische KI-Startup DeepSeek die Aktien der amerikanischen KI-Technologiekonzerne unter Führung von Nvidia einbrechen. Der einflussreiche Tech-Investor Marc Andreessen nannte DeepSeek auf der Social-Media-Plattform X «einen der erstaunlichsten Durchbrüche, die ich je gesehen habe.» Es sei der «Sputnik-Moment» für KI, schrieb Andreessen in Bezugnahme auf das Jahr 1957, als die Sowjetunion mit dem Sputnik-1 den weltweit ersten Satelliten in den Orbit sandte. Die Furcht ging um die Welt, dass DeepSeek mit sehr geringen Entwicklungskosten effizienter funktionieren könnte als die Modelle der etablierten amerikanischen KI-Anbieter. Zwar hat sich die Angst zwischenzeitlich als unbegründet erwiesen und die grossen US-Tech-Konzerne rund um Meta, Microsoft und Nvidia brillieren mit phänomenalen Umsatz- und Gewinnsteigerungen. Doch der Fall DeepSeek zeigte, wie fragil das hohe Bewertungsniveau gewisser Tech-Aktien ist.

«Vielleicht verändert KI unsere Wirtschaft so fundamental, dass sich die hohen Investitionen in diese Technologie und die stolzen Aktienbewertungen als völlig gerechtfertigt entpuppen. Ich persönlich glaube das zwar nicht, aber ich lag in der Vergangenheit schon so oft daneben, dass ich selbst nicht mehr viel auf meine Meinung gebe.»

Markus Städeli, Wirtschaftsredaktor der «NZZ am Sonntag», 16. November 2025

Aus dem Jahr 1960 stammt der Western «The Magnificent Seven» von John Sturges. Der Film erzählt die Geschichte von sieben Revolverhelden, die ihr mexikanisches Dorf gegen ein übermächtiges Banditenheer verteidigen. Zwar werden die Räuber besiegt, aber vier der sieben Helden müssen sterben. Heute stehen die «Magnificent Seven» für die Aktien der berühmten Unternehmen Alphabet, Amazon, Apple, Meta, Microsoft, Nvidia und Tesla. Der CH-Media-Wirtschaftsjournalist Daniel Zulauf stellt in seinem Beitrag «Die glorreichen Sieben sind aus dem Tritt» vom 28. August die Frage, ob das Schicksal der Revolverhelden früher oder später auch das eine oder andere Unternehmen der heutigen «Helden» des Aktienmarktes einholen könnte. Tatsächlich sind die Magnificent Seven keine homogene Gruppe mehr. So kämpft der Autobauer Tesla mit einigen Problemen, während Meta, Microsoft und Nvidia Rekorde brechen. Nvidia ist der absolute Überflieger, den wir «leider» nicht in unserem Aktienuniversum halten. Die Aktie ist sehr hoch bewertet und das Unternehmen ist stark von den KI-Investitionen von Meta und Microsoft abhängig. Die beiden Konzerne sind verantwortlich für rund 40 Prozent des gesamten Umsatzes von Nvidia, was das Unternehmen anfällig macht. Weitere 13 Prozent des Umsatzes des Grafikprozessoren- und Chipherstellers entfallen auf Kunden aus China. Die politischen Risiken sind dort überdurchschnittlich hoch.

 

«Es gibt nichts, was das eigene Wohlbefinden und Urteilsvermögen dermassen irritiert, als zu sehen, wie ein Freund reich wird.»

Charles Kindleberger und Robert Aliber in «Manias, Panics and Crashes: A History of Financial Crises», Springer Verlag, 2023

Dass die Bäume im KI-Bereich nicht in den Himmel wachsen, zeigt eine Studie, die Forscher des amerikanischen Massachusetts Institute of Technology (MIT) publiziert haben. Gemäss den Wissenschaftlern würden 95 Prozent aller KI-Pilotprojekte, die von Unternehmen gestartet werden, scheitern. Viele Manager würden auf falsche Strategien setzen und eine KI-Software implementieren, die sich schlecht in die betrieblichen Abläufe integrieren liesse. Als besorgniserregend beurteilen einige Experten überdies die Investitionen von KI-Giganten untereinander. OpenAI kauft Rechenleistung von Oracle und Grafikprozessoren von Nvidia. Der grösste Chiphersteller der Welt hat seinerseits eine Investition von USD 100 Mrd. in OpenAI bekanntgegeben. Fast gleichzeitig verkündete OpenAI einen milliardenschweren Auftrag an AMD, dem grössten Konkurrenten von Nvidia. Die gegenseitige Verflechtung im eigenen Ökosystem ist naturgemäss risikobehaftet.

«Werden Sie nicht gierig und seien Sie sich bewusst, dass wir es höchstwahrscheinlich mit einer Blasenbildung zu tun haben.»

Mark Dittli, Wirtschaftsredaktor der Online-Zeitung «the market», 17. Oktober 2025

In seinem «Big Picture» zeigt der angesehene Journalist von «the market», Mark Dittli, am Beispiel von Microsoft eindrucksvoll auf, wie sich die Aktie des Unternehmens in der Zeit nach der Jahrtausendwende entwickelt hat. Im Unterschied zu vielen anderen Unternehmen sei der Tech-Konzern in der Dotcom-Blase der späten Neunzigerjahre kein Luftgebilde gewesen, sondern «ein gefestigter, hoch profitabler Konzern mit einer monopolartigen Marktstellung.» Im März 2000 platzte die Blase und die US-Wirtschaft fiel kurzzeitig in eine Rezession. Trotzdem konnte Microsoft seinen Gewinn Jahr für Jahr steigern, als wäre nichts gewesen. «Selbst die Finanzkrise von 2008/09 steckte Microsoft problemlos weg», schreibt Dittli und verweist darauf, dass es dem Softwarekonzern gelang, seinen Gewinn je Aktie zwischen 1999 und 2012 fast zu verachtfachen. Doch was passierte in dieser Zeit mit dem Aktienkurs von Microsoft? Es mag Sie erstaunen: Der Titel büsste ab dem Jahr 2000 zeitweise mehr als 75 Prozent seines Wertes ein und brauchte viele Jahre, bis er sein altes Hoch wieder erreichte. Das Kurs/Gewinn-Verhältnis der Microsoft-Aktien reduzierte sich in dieser Phase von über 70 auf unter 10, weil sich Anleger von Tech-Aktien abwandten und stattdessen ein Boom in Rohstoffwerten stattfand. Was lässt sich daraus schliessen? Es ist denkbar, dass der KI-Boom noch Jahre weitergeht und die führenden Unternehmen ihre Gewinne erfolgreich steigern. Dennoch könnten die Aktienkurse im Kontext einer Bewertungskorrektur deutlich zurückgehen, so dass die Aktionäre trotz guter Unternehmenszahlen eine lange Durststrecke durchlaufen müssten.

«Wer in den Index investiert, setzt sich einem Konzentrationsrisiko aus, das für breit diversifizierte Anleger historisch beispiellos ist.»

Jim Bianco, amerikanischer Gründer des Analyse-Hauses Bianco Research, Chicago

Die Technologiewerte haben in den amerikanischen Indizes ein enorm hohes Gewicht, das in der jüngeren Vergangenheit prozyklisch aufgebaut wurde. Das birgt erhebliche Risiken. Selbstverständlich werden wir weiterhin in führenden KI-Unternehmen wie Alphabet oder Microsoft sowie Zulieferer wie ASML investiert bleiben. Abseitsstehen und riesige Chancen in einer sich verändernden Welt zu verpassen, ist keine intelligente Option – doch werden wir dies stets mit kontrollierten Risiken tun.

Gegenwind für qualitätsorientierte Value-Investoren

Die Performance von «Hotz» per Redaktionsschluss dieses Briefes gestaltet sich im Vergleich mit unseren Wettbewerbern und dem Weltmarktindex MSCI World erfreulich. Allerdings ist die Streuung unter den Vermögensverwaltern sehr gross. Wer im abgelaufenen Jahr einen signifikanten Anteil an Gold oder einen hohen Anteil an Technologiewerten im Portfolio hielt, schwingt oben aus. Allein die fünf Aktien Alphabet, Amazon, Apple, Microsoft und Nvidia repräsentieren ein Gewicht von über 30 Prozent im amerikanischen S&P-500-Index. Eine derart grosse Konzentration gab es in den vergangenen sechs Jahrzehnten nicht mehr. Das ist ein herausforderndes Umfeld für wertkonservative und breit diversifizierende Investoren. Erheblichen Gegenwind spürt für einmal Berkshire Hathaway, die Investmentfirma des legendären 95-jährigen Warren Buffett. Sein Anlagevehikel hat seit der Anfang Mai erfolgten Ankündigung des Orakels von Omaha, sich zurückzuziehen, im Vergleich zum breiten Index einen erheblichen Rückstand eingefangen. Dazu kommt für schweizerische und deutsche Anleger ein erklecklicher Dollarverlust.

In den vergangenen Jahren entwickelten sich die Aktien von Schweizer Nebenwerten (Small & Mid Caps) enttäuschend. Nachdem wir in früheren Zeiten stark von einer Risikoprämie in dieser Titelkategorie profitieren konnten, entpuppten sich einige Unternehmen aus diesem Bereich zunehmend als «Sorgenkinder». Als Konsequenz daraus werden wir das Segment von Aktien mit einer tiefen Marktkapitalisierung und eingeschränkter Liquidität im Laufe der Zeit reduzieren.

Temporärer Gegenwind ist auszuhalten, auch wenn er unangenehm ist. Die Geschichte lehrt uns, dass das Verlassen einer langfristig erfolgreichen Strategie und das prozyklische Umschwenken in modische, heissgelaufene und hoch bewertete Aktien nicht schlau ist. Wir erinnern uns: Sowohl in der 9/11-New-Economy-Krise von 2001 bis 2003, in der Finanzkrise von 2007 bis 2009 als auch im Jahr 2022, als weltweit die Zinsen stark anzogen und die Börsenkurse fielen, übertrafen unsere Renditen diejenigen der relevanten Benchmarks und vieler unserer Wettbewerber um 8 bis 10 Prozentpunkte. Exzesse sind temporär und es ist eine Frage der Zeit, bis Gegenbewegungen einsetzen und die Euphorie einer nüchternen Betrachtung weichen wird. Wir werden an unserer wertkonservativen Strategie festhalten.

Nestlé – vom Obligationenersatz zur Hochrisikoanlage?

Es besteht kein Zweifel, dass Nestlé einige Baustellen aufweist. Der Nahrungsmittelkonzern leidet unter anderem an Wachstumsschwäche, personellen Turbulenzen in der Konzernleitung, enttäuschenden Zukäufen im Gesundheitssektor sowie unter generellem Margendruck. Wir erinnern uns: Ende 2021 erreichte Nestlé an der Börse einen Höchstwert von rund CHF 127. Im Zuge der Corona-Krise herrschten an den Anleihenmärkten Negativzinsen, so dass viele Anlegerinnen und Anleger die als konservativ beurteilte Nestlé-Aktie mit einer Dividendenrendite von rund 2,4 Prozent als Obligationenersatz kauften. Wir kommentierten das damals mit einem kritischen Blick, denn am Ende ist Nestlé kein «Witwen-und-Waisen-Papier», sondern eine Aktie mit Chancen und Risiken. Seit dem Erreichen des Höchststands hat der Titel zwischenzeitlich über 40 Prozent an Wert eingebüsst und gilt bei einigen Analysten und Investoren mittlerweile als Risikopapier, so dass teilweise zum Verkauf geraten wird. Diese Haltung erachten wir als übertrieben. Bei einem Aktienkurs von CHF 80 beträgt allein die Dividendenrendite 3,8 Prozent. Der Jahresgewinn dürfte weiterhin um die 10 Milliarden Franken erreichen. Aus unserer Sicht ist es eine Frage der Zeit, bis Nestlé die Gunst der Anleger zurückerlangen wird.

«Investoren dürfen nicht den Fehler begehen, Aktien zu kaufen, weil ihr Preis gestiegen ist, oder zu verkaufen, weil ihr Preis gesunken ist.»

Benjamin Graham, amerikanischer Lehrmeister der Anlegerlegende Warren Buffett, in seinem Buch «The Intelligent Investor» (1894 – 1976)

Mit unserem wertorientierten Vermögensverwaltungsunternehmen werden wir am 12. und 13. Juni unser 40-jähriges Firmenjubiläum in St. Gallen, wo unsere Geschichte im Jahr 1986 begann, feiern. Trotz oder vielleicht auch dank unserer 40-jährigen Kapitalmarkterfahrung kommt bei uns ab und zu das Gefühl auf, von vorvorgestern zu sein. Während die Kurse privat geschürfter Kryptowährungen, die ohne jeden intrinsischen Wert sind, in den Himmel rauschen, werden Unternehmen wie Nestlé, die unter einem zwischenzeitlichen Schwächeanfall leiden, links liegen gelassen. Selbstverständlich ist das kein Grund für uns, ins Lager der digitalen Glaubensgemeinschaften zu wechseln.

Raus aus Private Equity

Mehrere Kantonal- und Regionalbanken in der Schweiz führen seit einiger Zeit intensive Gespräche mit führenden Anbietern von Private Equity. Das Ziel ist, diese illiquide und oft intransparente, gebührenmässig aber äusserst lukrative Anlageklasse auch mittleren und kleineren Kunden schmackhaft zu machen. Bislang waren Privatmarktanlagen nur institutionellen Investoren wie Pensionskassen oder Versicherungen und sehr vermögenden Privatkunden zugänglich. Seit einiger Zeit öffnet sich die Private-Equity-Branche mit spezifischen, semiliquiden Fonds, sogenannten «Evergreens», dem breiteren Publikum. Es stellt sich die Frage: Macht das für die Anleger auch wirklich Sinn?

«Derzeit sehe ich keine systemischen Risiken im Nichtbankensektor, aber das Potenzial ist da. Viele Bereiche wie Private Equity und Private Debt haben noch nie einen richtigen Zinszyklus erlebt. Wie krisenfest sie wirklich sind, wissen wir nicht.»

Augustin Carstens, ehemaliger Geschäftsführer der in Basel ansässigen Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) und lange in führender Stellung beim Internationalen Währungsfonds (IWF)

Am 18. September erschien der schonungslos offene Artikel «Die Pensionskassen wollen raus aus Private Equity» in der «Handelszeitung». Stephan Bereuter, Chief Investment Officer und Leiter Asset Management der Pensionskasse des Detailhandelskonzerns Migros, lässt sich darin wie folgt zitieren: «Wir tätigen keine neuen Investitionen in Private Equity und lassen letzte Positionen auslaufen.» Auch die grössten schweizerischen Pensionskassen, die Bundespensionskasse Publica sowie die BVK Pensionskasse des Kantons Zürich, lehnen Anlagen in Private Equity mangels Transparenz und wegen zu hoher Gebühren ab respektive haben sich davon verabschiedet. Auch die Pensionskasse von Nestlé soll einen Abbau dieser Anlageklasse prüfen.

«Ein grosser Teil der Rendite geht an den Manager, dabei trägt der Investor das finanzielle Risiko.»

Dominique Gilgen, Head Private Markets bei der Bundespensionskasse Publica

Romano Gruber, Managing Director des Beratungsunternehmens PPCmetrics, bestätigt, dass Pensionskassen zunehmend kritisch gegenüber Private Equity eingestellt sind: «Es gibt Kunden, die im Rahmen der Überprüfung der Anlagestrategie einen Abbau prüfen beziehungsweise umsetzen.» Tatsächlich betragen die Gesamtgebühren bei Private-Equity-Konstrukten gemäss einer Analyse von PPCmetrics jährlich gegen 6 Prozent. Dass bei solch exorbitanten Gebühren für die Kunden wenig übrig bleibt, liegt auf der Hand. Private-Equity-Unternehmen berufen sich in ihren Renditeangaben gerne auf die sogenannte IRR (Internal Rate of Return) und behaupten, sie würden jährliche Renditen von 10 bis 25 Prozent erzielen. Ludovic Phalippou, Professor of Finance an der renommierten University of Oxford, publizierte im Dezember 2024 den Beitrag «The Tyranny of IRR: A Reality Check on Private Market Returns». Darin entzaubert der Wissenschaftler, der die IRR-Berechnungen wörtlich als «Bullshit» bezeichnet, die Renditen von Private Equity. Bei Lichte betrachtet liegen die jährlichen Nettorenditen von Private Equity tiefer als diejenigen börsenkotierter Aktien.

“Es ist faszinierend, dass so viele Leute glücklich sind mit einer übertrieben ausgewiesenen Performance, welche die Realität nicht reflektiert. Die Consultants sind glücklich, die Manager der Pensionskassen sind glücklich und die Stiftungsräte sind glücklich. Alle sind glücklich und die einzigen, die unglücklich sein sollten, sind die Destinatäre.»

Ludovic Phalippou, Professor of Finance an der Oxford University

Im Juli berichtete die «Finanz und Wirtschaft», dass der Private-Equity-Anbieter Partners Group ihr Engagement beim Energiedienstleister Techem nicht loswerde. Es sei ein «Ladenhüter». Nachdem alle Verkaufsbemühungen grandios gescheitert seien, hätte Partners Group ihre Beteiligung einfach – schwuppdiwupp – von ihrer Private-Equity- in ihre Infrastruktur-Abteilung verschoben. Ein Schelm, wer Böses denkt. Techem ist kein Einzelfall. Die Abschläge vieler von Private-Equity-Häusern eingekauften Unternehmen betragen bis zu 30 Prozent ihres Einstandswerts. In den Jahren 2022 bis 2024 gingen gemäss der Ratingagentur Moody’s rund 17 Prozent der Unternehmen in Private-Equity-Besitz in den Konkurs – das ist ein doppelt so hoher Anteil wie bei «normalen» Unternehmen. Erstaunlich ist, dass die Krise von Private Equity in einer konjunkturell fast wolkenlosen Phase hereingebrochen ist. Es stellt sich die Frage: Wollen die Anbieter von Private Equity ihre aktuellen Probleme auf dem Buckel «dummer» Privatanleger lösen? Und was würde wohl mit der Branche passieren, wenn auch noch die wirtschaftliche Stimmung kippt?

«Ich bin seit 30 Jahren in der Private-Equity-Branche und habe schon einige Krisen gesehen, wie das Platzen der Dotcom-Blase 2001 oder die grosse Finanzkrise 2008. Doch was wir derzeit erleben, ist sicher die längste und tiefste Krise der Branche.»

Daniel Flaig, Managing Partner des Private-Equity-Anbieters Capvis, Wirtschaftsmagazin «Bilanz», August 2025

Die «UBS House View, Investor’s Guide»-Ausgabe vom vergangenen Juli trägt den packenden Titel «Massnahmen inmitten der Unsicherheit». Darin befasst sich die einzig verbliebene Schweizer Grossbank mit der Frage «Was ist die richtige Allokation in alternativen Anlagen?». Die UBS empfiehlt ihren Kundinnen und Kunden eine Allokation von 20 bis 40 Prozent in den Privatmärkten und 8 bis 12 Prozent in Hedge Funds. Sie kennen unsere Meinung zu diesen margenträchtigen und intransparenten Produkten: Solche Empfehlungen kann nur machen, wer die eigenen Bonustöpfe ins Zentrum der Bemühungen stellt und nicht die Kundeninteressen.

Die Verschuldung Amerikas wird zum globalen Problem

Mehr als die geopolitischen Spannungen bereitet uns die weltweit beschleunigte Staatsverschuldung Sorgen. Obwohl wir uns wirtschaftlich weder in einer Rezession noch in einem konjunkturellen Kriechgang befinden, geben die Regierungen Geld weit über ihre Verhältnisse aus – von Sparen kann nicht im Geringsten die Rede sein.

«Ich zähle die Sparsamkeit zu den ersten und wichtigsten republikanischen Tugenden und die Staatsverschuldung zu einer der grössten Gefahren.»

Thomas Jefferson, einer der Gründerväter und ehemaliger Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika (1743 – 1826)

Schuldenweltmeister sind seit Langem die Japaner, deren Schuldenstand zwischenzeitlich die astronomische Höhe von 240 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) erreicht hat. Das Land der aufgehenden Sonne ächzt nach wie vor unter dem Immobilien- und Aktienzusammenbruch, der sich nach einem beispiellosen Boom zum Ende der 1980er Jahre ereignet hat. Danach kommen die notorischen Schuldenkönige Griechenland und Italien mit Werten von 155 respektive 135 Prozent. Frankreich weist eine Verschuldung von 116 Prozent auf und hat in den letzten 18 Jahren die erlaubte Maastricht-Limite von 3 Prozent Neuverschuldung 16-mal übertreten. Im vergangenen Jahr dürfte das Haushaltsdefizit fast 6 Prozent des BIP erreicht haben. Als Folge davon sind die Zinsrisikoaufschläge französischer Staatsanleihen bedrohlich angestiegen. Deutschland mit 64 und die Schweiz mit 38 Prozent stehen bezüglich ihrer Gesamtverschuldung als Musterknaben da. Besonders zu denken an dieser unrühmlichen «Weltrangliste» gibt die Tatsache, dass sich die Vereinigten Staaten von Amerika mit Riesenschritten in Richtung Tabellenspitze «vorarbeiten» – deren Verschuldung beträgt bereits über 120 Prozent des BIP. Die renommierten amerikanischen Ökonomen Carmen Reinhart und Kenneth Rogoff haben in ihrem 2010 veröffentlichten Paper «Growth in a Time of Debt» die nicht unumstrittene These vertreten, dass ab einem Grenzwert von 90 Prozent ein gefährliches Terrain betreten wird und sich die Staatsschulden belastend auf das Wirtschaftswachstum auswirken würden.

«Defizit ist das, um was man weniger hat, als man gehabt hat, als man nichts gehabt hat.»

Karl Farkas, österreichischer Schauspieler, Kabarettist und Autor (1893 – 1971)

Der streitbare amerikanische Präsident Donald Trump hat mit der sogenannten «Big Beautiful Bill» ein Wahlversprechen abgegeben, das weniger Steuern, mehr Ausgaben für die Verteidigung, einen besseren Grenzschutz und mehr Ausschaffungen beinhaltet. Das Versprechen ist abenteuerlich, wenn nicht verantwortungslos, denn Amerikas Ausgabenwut ist auf Pump gebaut. So ist davon auszugehen, dass der Schuldenstand im abgelaufenen Jahr um weitere USD 2'000 Mrd. respektive um unglaubliche 7 Prozent des BIP angewachsen ist. Dass dies in einer konjunkturell heiteren Stimmung möglich geworden ist, macht die Sache nur noch schlimmer.

«Politiker geben gerne Geld aus. Es ist viel einfacher, Schulden anzuhäufen, als sie abzubauen.»

Carmen Reinhart, amerikanische Professorin an der University of Harvard und ehemalige Chefökonomin der Weltbank, «NZZ», 17. Juni 2025

Im Jahr 1980 betrugen die Schulden der USA noch USD 1 Bio. In der Zwischenzeit ist diese Summe auf USD 36 Bio. angewachsen. Seit der Jahrtausendwende sind die Verbindlichkeiten von 55 Prozent des BIP auf über 120 Prozent der Wirtschaftsleistung emporgeschnellt, so dass die Amerikaner allein für den Zinsendienst jährlich USD 1'200 Mrd. ausgeben – täglich über USD 3 Mrd. Vor der Covid-Krise betrug der Zinsendienst der USA noch USD 1 Mrd. pro Tag. Gemäss Carmen Reinhart macht der Schuldendienst bereits 12 Prozent des amerikanischen Haushalts aus – der mit Abstand höchste Anteil unter westlichen Ländern. Es ist deshalb kein Zufall, dass im Mai vergangenen Jahres nach Standard & Poor’s (2011) und Fitch (2023) auch Moody’s als dritte einflussreiche Rating-Agentur dem Schuldner USA die Höchstnote entzogen und die Kreditwürdigkeit herabgesetzt hat.

«Die Mutter aller Schuldenkrisen könnte irgendwann in diesem oder im nächsten Jahrzehnt eintreten.»

Nouriel Roubini, amerikanischer Nationalökonom und Professor an der New York University

Das notorische Zwillingsdefizit der USA – die Kombination von Staatsdefizit im Inland und Leistungsbilanzdefizit gegenüber dem Ausland, weil die Importe die Exporte übersteigen – ist auf Dauer nicht tragbar. Es besteht die latente Gefahr eines «Liz-Truss-Schocks». Wir erinnern uns: Als im Jahr 2022 die damalige britische Premierministerin Steuersenkungen ankündigte, explodierten am Kapitalmarkt die Zinssätze von Anleihen in unkontrollierter Weise. Die Anleger hatten über Nacht das Vertrauen in die Kreditwürdigkeit Grossbritanniens verloren, so dass Liz Truss kurz nach ihrem Amtsantritt zurücktreten musste. Als Donald Trump im April des vergangenen Jahres seine skurrilen Zollpläne verkündete, geschah mit den amerikanischen Zinsen Ähnliches. Die Kurse von Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps) auf Treasury Bonds schossen nach oben und Trump musste sein Vorhaben auf Druck der Kapitalmärkte auf Eis legen. Wie sensitiv die Kapitalmärkte auf Äusserungen von Politikern reagieren, zeigte sich erneut Anfang Juli im britischen Parlament. Während einer Rede des Premierministers Keir Starmer schwenkten die Kameras auf seine Schatzkanzlerin Rachel Reeves, die für einen soliden Haushalt sowie nachhaltige Staatsfinanzen steht und aus Angst vor einer drohenden Entlassung in Tränen ausbrauch. Im selben Moment brachen die Kurse britischer Anleihen ein – der «Liz-Truss-Schock» drohte sich zu wiederholen. Die beiden Beispiele zeigen, wie fragil die Kapitalmärkte reagieren, wenn das Vertrauen der Investoren wegbricht – das war im Falle von Griechenland im Jahr 2012 nicht anders. Ray Dalio, Gründer des weltweit grössten Hedge Funds Bridgewater Associates, bringt es auf den Punkt, wenn er sagt: «Wir sollten uns vor dem Anleihenmarkt fürchten.»

«Früher dachte ich, wenn es eine Reinkarnation gäbe, wollte ich als Präsident, Papst oder Baseballstar zurückkommen. Aber jetzt würde ich gerne als Bondmarkt wiedergeboren werden: Der Bondmarkt kann jeden einschüchtern.»

James Carville, amerikanischer Politologe und Berater des ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton

Was sind langfristig denkbare Szenarien für die USA, um aus dieser schwierigen Situation wieder herauszukommen? Die naheliegende Lösung wären Sparmassnahmen und Leistungskürzungen. Erfahrungsgemäss scheitern solche Vorhaben nach blumigen Wahlversprechen der Politiker letztlich an deren Willen. Was als Ausgaben einmal beschlossen ist, lässt sich überdies schwer rückgängig machen. Wesentlich einfacher ist es, den Haushalt durch finanzielle Repression zu entlasten. Das geschieht dadurch, dass mittels einer lockeren Notenpresse billiges Geld sowie künstlich tief gehaltene Zinsen geschaffen werden. Die in der Folge steigende Inflation lässt den realen Wert der Schulden schrumpfen und die Kaufkraft der Bürgerinnen und Bürger schmälern. Es findet eine schleichende Enteignung der Bürger statt. So betrachtet wirkt Inflation wie eine verdeckte Steuer. Die Amerikaner verfügen über eine langjährige Erfahrung in der Anwendung finanzieller Repression. Nachdem ihr Schuldenstand am Ende des Zweiten Weltkriegs einen Rekordwert von 120 Prozent erreichte, sank dieser bis ins Jahr 1980 auf 35 Prozent. In dieser Zeit verloren Besitzer von Anleihen auf realer Basis systematisch Geld. Schützen können sich Investoren in Zeiten finanzieller Repression am effizientesten mit Realwertanlagen, zu denen in erster Linie Aktien gehören. Das wird auch in Zukunft nicht anders sein.

«Der Dollar ist unsere Währung, aber er ist Euer Problem.»

John Connally, ehemaliger amerikanischer Finanzminister, im November 1971 an einer Krisensitzung in Rom (1917 – 1993)

Die japanische Notenbank (BoJ) betreibt seit rund drei Jahrzehnten mit Zinssätzen, die weit unter der Inflation liegen, eine finanzielle Repression, um ihren dramatisch verschuldeten Staatsapparat zu schonen – ein Albtraum für die Sparer, die sich zusätzlich mit einer dramatischen Abwertung des Yen konfrontiert sehen. Im Mai 2026 wird Jerome Powell, der Präsident der amerikanischen Notenbank Fed, sein Amt zur Verfügung stellen. Donald Trump dürfte seinerseits mit einer ihm genehmen Nachfolge im Fed-Präsidium das Ziel verfolgen, den amerikanischen Dollar graduell abzuwerten, so dass die riesigen Guthaben ausländischer Gläubiger – allen voran aus Japan und China – weniger Wert aufweisen. Im Grunde hat dieser Abwertungswettlauf im abgelaufenen Jahr mit dem Vertrauensverlust in den Dollar bereits seinen Anfang genommen.

«Durch einen anhaltenden Inflationsprozess können Regierungen heimlich und unbemerkt einen bedeutenden Teil des Vermögens ihrer Bürger konfiszieren.»

John Maynard Keynes, britischer Ökonom, Politiker und Mathematiker (1883 – 1946)

Irgendwann werden die Vereinigten Staaten von Amerika, wenn sie sich im aktuellen Tempo weiter verschulden, über Umschuldungsprogramme nachdenken müssen – beispielsweise durch eine Verlängerung der Laufzeiten ihrer Verpflichtungen. Ein Szenario, über deren Auswirkungen wir nicht einmal spekulieren möchten, ist ein Kreditausfall der mächtigsten Wirtschaftsnation der Welt. Eine Pleite des amerikanischen Staates hätte verheerende Auswirkungen auf die weltweite Finanzmarktstabilität – dagegen wäre der Untergang einer internationalen Grossbank ein Klacks.

«Ein partieller Bankrott ist deshalb unvermeidlich. Die Frage ist nur noch, wann er vollzogen wird.»

Tobias Straumann, Schweizer Wirtschaftshistoriker und Professor an der Universität Zürich (seine Aussage bezog sich generell auf hochverschuldete Staaten)

Zwei Faktoren geben uns die Hoffnung und Überzeugung, dass es nicht so weit kommen wird. Erstens die wirtschaftliche Potenz der USA: Die grösste und stärkste Wirtschaftsmacht der Welt repräsentiert rund ein Viertel des globalen Bruttoinlandprodukts. Zahlreiche Konzerne, die insbesondere in der Technologiebranche weltweit zu den Champions gehören, haben ihren Sitz in den Vereinigten Staaten von Amerika. Das schafft Vertrauen gegenüber den Gläubigern, dass die USA eine überdurchschnittlich hohe Schuldenlast tragen können. Wenn die Kapitalmärkte das Land zwingen zu reagieren, wird es in der Lage sein, die Probleme anzupacken und zu lösen. Dazu kommt, dass es die USA trotz vieler kritischer Stimmen bis heute geschafft haben, den amerikanischen Dollar als die Leitwährung der Welt zu etablieren. Aus heutiger Sicht ist schwer vorstellbar, dass sich dies in absehbarer Zeit ändern wird.

«Die Rebellion der Märkte kann zu einer abrupten Abwertung der Währung führen. Ein Dollar-Crash ist möglich.»

Carmen Reinhart, amerikanische Professorin an der University of Harvard und ehemalige Chefökonomin der Weltbank, «NZZ», 17. Juni 2025

Zweitens die gewaltigen Vermögen der amerikanischen Superreichen: Gemäss «Global Wealth Report», der jährlich von der Versicherungsgesellschaft Allianz herausgegeben wird, beträgt das Pro-Kopf-Durchschnittsnettovermögen der Amerikaner per Ende 2024 rund CHF 300'000 – nach Abzug privater Schulden. Das ist Weltspitze. Die Schweiz belegt mit einem Durchschnittsnettovermögen von rund CHF 250'000 «nur» Platz 2. Es gibt nirgends so viele Milliardäre wie in den USA. In diesem Zusammenhang sei ein Blick aus der Vogelperspektive erlaubt. Die US-Regierung ist mit rund USD 36 Bio. verschuldet. Demgegenüber werden die Gesamtvermögen der amerikanischen Bürgerinnen und Bürger auf insgesamt USD 180 Bio. geschätzt. Zieht man davon die privaten Verbindlichkeiten ab, die vor allem aus Hypotheken bestehen, so resultiert ein Nettovermögen von rund USD 160 Bio. Mit anderen Worten: Wenn die Amerikanerinnen und Amerikaner dem Staat knapp ein Viertel ihrer Vermögen als «Sanierungssteuer» übertragen, ist das Land schuldenfrei. Das ist zwar nur ein Gedankenspiel, aber die Vermögenden werden über kurz oder lang nicht darum herumkommen, die staatlichen Defizite durch Steuererhöhungen zu stopfen. Am Ende wird es wohl eine Kombination diverser Massnahmen sein, die zur schmerzhaften Gesundung des amerikanischen Staatshaushalts beitragen werden.

Stablecoins als Retter maroder Staatsfinanzen?

Politiker waren noch nie verlegen, wenn es darum ging, kreative Ideen zu generieren, um den Bürgern vorzugaukeln, sie hätten das geeignete Rezept zur Eindämmung der Staatsverschuldung. Die neuste Idee stammt, wenig erstaunlich, vom amerikanischen Präsidenten Donald Trump. Mit dem sogenannten «Genius Act» will er die Etablierung von Stablecoins als private, digitale Währungen gesetzlich fördern. Stablecoins sind an eine Währung wie den Dollar gekoppelt und bilden diesen eins zu eins ab. Allerdings sind sie umstritten, da sie auch für dunkle Geschäfte und Geldwäscherei verwendet werden. Die Emittenten von Stablecoins sichern ihre digitalen Währungen insbesondere mit kurz oder lang laufenden Staatsanleihen (Treasury Bills und Bonds) ab. Der bekannteste Stablecoin ist Tether. Der «geniale Akt» soll eine «Revolution des Finanzmarktes» auslösen und das amerikanische Staatsdefizit reduzieren. Mit Verlaub: Mit gesundem Menschenverstand ist schwer nachvollziehbar, wie das funktionieren soll. Wie denn in aller Welt sollen sich Schulden verflüchtigen, indem man einfach ein zusätzliches «Asset» kreiert?

«Der Stablecoin-Sektor ist nicht gut reguliert, und dass man etwas im Namen als stabil bezeichnen muss, sagt einiges.»

Augustin Carstens, abtretender Geschäftsführer der in Basel ansässigen Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) und lange in führender Stellung beim Internationalen Währungsfonds (IWF), Interview in der «NZZ», 1. Juli 2025

Die Hoffnung der Protagonisten ist wohl, dass durch den verstärkten Kauf amerikanischer Staatsanleihen zur Besicherung der Stablecoins die Zinsen und als Folge davon die Schuldenlast sinken könnten. Zweifel sind angebracht, dass dieser Zaubertrick funktionieren wird. Statt um Genialität scheint es sich hierbei eher um ein gefährliches Gebräu aus Überheblichkeit und Wahnsinn zu handeln. Fairerweise sei angefügt, dass Stablecoins durchaus eine Zukunft als digitales und staatlich sanktioniertes Zahlungsmittel haben können. So beabsichtigt die EU, über die Europäische Zentralbank einen zentral gesteuerten Stablecoin auszugeben. Dieser stünde sodann in Konkurrenz zu den Aktivitäten privater Emittenten.

Donald Trump hat sich bezüglich Kryptowährungen vom Saulus zum Paulus gewandelt und Anfang des letzten Jahres einen eigenen Coin lanciert, um sein Vermögen in «genialer Weise» aufzupeppen – auf Kosten vieler Fans, die damit erhebliche Verluste eingefahren haben. Die treusten Fans mit dem grössten Anteil an Trump-Coins hat er zu einem privaten Dinner eingeladen. So funktioniert die gegenwärtige Politik in den Vereinigten Staaten von Amerika.

«Letztlich handelt es sich dabei um eine Art Schneeballsystem, bei dem einige wenige Menschen hohe Gewinne zulasten derjenigen verdienen, die später am Kryptomarkt einsteigen.»

Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW)

Der frühere Star-Torwart des FC Bayern München und der deutschen Fussballnationalmannschaft, Oliver Kahn, war anlässlich des 13. Münchener Vermögenstags, der am 27. Juni von der V-Bank (bei der zahlreiche unserer deutschen Kundinnen und Kunden ihre Depotwerte halten) veranstaltet wurde, der Programmhöhepunkt. Er hielt ein Referat mit dem Titel «Neue Investitionsmöglichkeiten mit tokenisierten Wertpapieren am Beispiel Growth Capital für Fussballclubs.» Das klingt spannend. Wer weiss, vielleicht wird der ehemalige deutsche Fussballgott schon bald für den nächsten Wirtschaftsnobelpreis nominiert – auf derselben Bühne wie Donald Trump, der auf den Friedensnobelpreis aspiriert.

Gold als Alternative zum Dollar?

Seit rund drei Jahren erlebt Gold einen veritablen Boom. Von Anfang Januar 2023 bis Ende November 2025 hat das gelbe Metall in der Referenzwährung Schweizer Franken kumuliert um überragende 102,5 Prozent zugelegt. Im Vergleich dazu haben Schweizer Aktien (Swiss Performance Index SPI) 28,5 Prozent und Schweizer Anleihen (Swiss Bond Index SBI) 14,1 Prozent abgeworfen. Angesichts der globalen Herausforderungen, der grassierenden Staatsverschuldung der USA und der irrwitzigen Politik ihres amtierenden Präsidenten wird Gold von Investoren zunehmend als Alternative zum amerikanischen Dollar gesehen.

«Die Berühmtheit mancher Zeitgenossen hängt mit der Blödheit der Bewunderer zusammen.»

Heiner Geissler, deutscher Jurist und Politiker der CDU (1930 – 2017)

Insbesondere seit dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine haben die Goldkäufe von Zentralbanken stark zugenommen. Dies hängt insbesondere damit zusammen, dass die G-7-Staaten unter Führung der USA die Fremdwährungsreserven Russlands nach Kriegsausbruch eingefroren hatten. Damit wurde einigen Währungshütern bewusst, dass ihre vorzugsweise in US-Dollar gehaltenen Reserven als geopolitisches Druckmittel benutzt werden können. Es überrascht deshalb nicht, dass insbesondere die Zentralbank von China, aber auch diejenige von Indien, Polen und der Türkei verstärkt als Käufer von Gold auftreten. Das Edelmetall wird als Krisenschutz gehalten.

Bemerkenswert ist, dass der markante Anstieg des Goldpreises mit gleichzeitig gestiegenen Realzinsen bei amerikanischen Bundesanleihen (Treasury Bonds) einhergeht. In der Vergangenheit tendierte der Preis des Goldes regelmässig zur Schwäche, wenn die Realzinsen stiegen, weil sich in der Folge die Attraktivität von Festverzinslichen erhöhte. Das unterstreicht, dass sich die Goldhausse der letzten Jahre von früheren Mustern unterscheidet und auf einem gefestigten Fundament steht.

Es entspricht unserer Überzeugung, dass Gold durchaus seinen Platz in einem Gesamtvermögen eines Investors einnehmen darf. Dafür gibt es gute Gründe. Gold spielte über lange Zeit eine wichtige Rolle in der Währungspolitik der internationalen Staatengemeinschaften. So waren die Devisenreserven bis zur Aufhebung von «Bretton Woods» an das Gold gebunden. Dazu kommt, dass Gold eine wichtige Rolle in der Schmuckindustrie einnimmt und damit ein Wirtschaftsfaktor darstellt. Auch ist Gold – ganz im Gegensatz zu Kryptowährungen, die von Menschen in jeder beliebigen Menge aus dem Hut respektive aus dem digitalen Netz gezaubert werden können – trotz aller Versuche von Alchemisten, die bereits im Mittelalter versuchten, mit chemischen Prozessen Gold herzustellen, als Rohstoff begrenzt.

In seinem Fintool-Video vom 16. Mai 2025 zeigt Erwin Heri, Finanzprofessor an der Universität Basel, die langfristige Rendite der wichtigsten Anlagen für die Zeitperiode von 1800 bis 2024 auf. Während Gold auf realer, inflationsbereinigter Basis und in der Referenzwährung USD eine jährliche Rendite von 0,7 Prozent abwarf, rentierten Anleihen 3,2 und Aktien sogar 7,0 Prozent jährlich. Das sind monumentale Unterschiede. Die Rendite von Gold war somit in der sehr langen Frist nicht wesentlich höher als die Inflation.

«Gold wird irgendwo auf der Welt aus der Erde gegraben. Dann schmelzen wir es ein, graben ein neues Loch, schütten es wieder zu und bezahlen Menschen, um es zu bewachen. Würde uns jemand vom Mars aus beobachten, er würde den Kopf schütteln.»

Warren Buffett, amerikanische Anlegerlegende und Orakel von Omaha, Nebraska

Fairerweise muss gesagt sein, dass der Goldpreis bis zum Jahr 1971 bei USD 35 fixiert und der Dollar an diesen gebunden war. Erst seit Aufhebung von «Bretton Woods» schwankt er frei am Markt. Nach der Abschaffung des Goldstandards legte Gold kräftig zu, bevor es für längere Zeit wieder massiv an Wert verlor, um in der Finanzkrise und nach Ausbruch des Ukraine-Kriegs zu neuen Haussen anzusetzen. Ein langfristig fairer Vergleich zwischen Aktien und Gold deckt folglich die Zeitperiode von 1971 bis 2025 ab, in welcher Gold den freien Marktkräften ausgesetzt war. Dieser Vergleich sieht so aus: Während Gold in der Referenzwährung Schweizer Franken über die Gesamtperiode von rund 55 Jahren auf nominaler Basis jährlich 5,7 Prozent (real 3,5 Prozent) zugelegt hat, brachten es Schweizer Aktien auf jährlich 7,8 Prozent (real 5,6 Prozent). Gold hat zweifellos seine Berechtigung in der Anlagewelt. Allerdings darf die langfristige Rendite von Gold nicht überschätzt werden, weshalb wir den Anteil an einem Gesamtvermögen eher klein halten würden. Zugespitzt lässt sich schliessen: Gold ist der bessere Bitcoin, aber Aktien bleiben langfristig das bessere Gold.

Schweizer Anleger brauchen keine Fremdwährungsanleihen

Aus Sicht eines Hartwährungslandes wie der Schweiz macht es wenig Sinn, in höherverzinsliche Fremdwährungsanleihen zu investieren. Der Zinsvorteil im Ausland wird durch entsprechende Währungsverluste mehr als kompensiert, wie die britischen Professoren Elroy Dimson (Cambridge University), Paul Marsh und Mike Staunton (beide an der London Business School) in ihrem «Global Investment Returns Yearbook» der UBS eindrücklich darlegen. So haben Schweizer Anleihen in der Periode von 1900 bis 2024 im weltweiten Vergleich mit jährlich 2,2 Prozent inflationsbereinigt die höchste Realrendite abgeworfen. Obwohl die nominellen Zinsen in der Schweiz im internationalen Quervergleich systematisch zu den tiefsten zählen, ist die Realrendite am höchsten. Der Grund liegt in der unterschiedlichen Inflations- und Währungsentwicklung der verschiedenen Länder. Weil in der Schweiz die Teuerung notorisch tief notiert und der Schweizer Franken weltweit die härteste Valuta ist, fallen die währungsbereinigten Renditen in helvetischen Anleihen langfristig höher aus als in jedem anderen Land der Welt. Das heisst nichts anderes, als dass Schweizer Investoren keine Fremdwährungsanleihen brauchen, um ihr Portfolio zu diversifizieren. Im Gegenteil: Fremdwährungsanleihen erhöhen unnötigerweise die Schwankungsrisiken eines Wertschriftenportfolios und führen bei Privatinvestoren aufgrund der höheren Zinserträge erst noch zu höheren Steuerbelastungen – Zinseinnahmen müssen in der Schweiz versteuert werden, während Währungsverluste steuerlich nicht in Abzug gebracht werden können.

«Ich will kein gieriger Banker mehr sein» – die Thunfisch-Saga der Credit Suisse

Erinnern Sie sich an den Thunfisch-Skandal der Credit Suisse? Die untergegangene Schweizer Grossbank sprach im Jahr 2013 einen Kredit in Höhe von USD 1,3 Mrd. für das südafrikanische Land Mosambik. Das Ziel war, der Regierung den Kauf einer Thunfischfangflotte zu ermöglichen, um mit Fischerei Arbeitsplätze und Wachstum zu schaffen. Verantwortlich für diesen Deal bei der Credit Suisse war der gebürtige Neuseeländer Andrew Pearse. Das Geschäft entpuppte sich als ein monumentaler Korruptionsfall, in dem Minister, Geheimdienstler und CS-Banker – an vorderster Stelle Pearse selbst – bestochen wurden. Mehrere hundert Millionen Dollar versickerten auf obskuren Wegen in den Taschen der Betrüger. Zwar stand der Konstrukteur der Flotte auf einer schwarzen Liste der Credit Suisse und war als «Master of Kickback» bekannt, doch Pearse diktierte seinen CS-Mitstreitern dies: «Lasst ihn einfach aus dem Bild verschwinden.» Die Compliance-Abteilung der Bank wurde offenbar auf einfache Weise übertölpelt, so dass der Kredit durchgewunken wurde. Vermutlich haben die Verantwortlichen bei einem Zins von 9 Prozent die Dollarzeichen höher bewertet als die Risiken. Erstaunlich, denn Transparency International schätzt das Korruptionsrisiko von Mosambik als «sehr hoch» ein.

«Ich möchte nun beweisen, dass auch ein ehemals geldgieriger, unmoralischer Banker zu Gutem fähig ist.»

Andrew Pearse, verurteilter Betrüger und ehemaliger Manager der Credit Suisse

Für die Credit Suisse endete die Geschichte im Desaster. Sie bekannte sich der Geldwäscherei schuldig. Unter dem Strich entstand für sie ein Schaden von USD 1 Mrd. Auch für Mosambik wurde der Kredit zum Albtraum. Das Land schlitterte in die Staatspleite, während die Thunfischflotte im Hafen von Maputo ungenutzt vor sich hin rostet. Was ist mit dem Betrüger Andrew Pearse, der von der britischen Finanzmarktaufsicht FCA mit einem lebenslangen Berufsverbot in der Finanzindustrie belegt wurde, passiert? Gemäss Medienberichten arbeitet er von Montag bis Donnerstag bei seiner Entrümpelungsfirma Waste Not Group und entsorgt alte Sofas. Am Freitag macht er sich in der Gassenküche Foodcycle in Wolverton bei London nützlich, wo er Karotten schält und Obdachlosen heisse Gemüsesuppe ausschenkt. Was für ein happy End der tristen Geschichte eines korrupten Bankers: Zumindest die Kunden seiner Gassenküche dürfen von Andrew Pearse Anstand und Moral erwarten.

Steuerliche Herausforderungen

Regelmässig werden wir von Kundinnen und Kunden auf Steuerthemen angesprochen. Dabei geht es um unterschiedliche Fragen zu schweizerischen oder ausländischen Steuern. Das können Fragen sein wie «Fallen Steuern an, wenn ich meiner in Frankreich lebenden Tochter Aktien oder eine Immobilie in der Schweiz schenke?» oder «Wie hoch ist mein Freibetrag bei der amerikanischen Erbschaftssteuer (U.S. Estate Tax)?»

«Alles, was Du sagst, sollte wahr sein. Aber nicht alles, was wahr ist, solltest Du auch sagen.»

Voltaire, französischer Philosoph und Schriftsteller (1694 – 1778)

Für solche oft komplexen Fragen braucht es Spezialisten, da die Antworten je nach Familiensituation und Domizil des Schenkenden, des Erblassers oder des Vermögensempfängers völlig unterschiedlich ausfallen können. Darüber hinaus haben die Betragshöhe und die in den unterschiedlichen Ländern gültigen Steuergesetze wesentlichen Einfluss auf die massgeblichen Berechnungen. Getreu dem Motto «Schuster bleib bei Deinen Leisten» wissen wir sehr genau, auf welchem Gebiet wir Ihre Spezialisten sind. Dazu gehören alle Fragen im Kontext Ihrer Anlagen. Wir wissen aber auch, bei welchen Themen wir das Terrain anderen Spezialisten überlassen wollen. Sollten Sie Fragen zu steuerlichen Belangen wie zum Beispiel dem komplexen US-Erbschaftssteuergesetz haben, empfehlen wir Ihnen den Beizug kompetenter Spezialisten.

Kommunikation gegenüber unseren Kundinnen und Kunden

Sporadisch werden wir von einzelnen Kundinnen oder Kunden darauf angesprochen, warum wir in Zeiten kriselnder Börsen nicht proaktiv und rasch über die aktuellen Geschehnisse in der Welt und speziell an den Finanzmärkten kommunizieren würden. Die Frage ist absolut berechtigt, zumal nicht wenige unserer Wettbewerber genau dies tun. Wir haben dieses Thema im Laufe der Jahre und Jahrzehnte verschiedentlich in unseren Führungsgremien diskutiert und sind immer wieder mit Überzeugung zu dem Schluss gekommen, dass wir dies nicht tun möchten. Was sind unsere Gründe?

«Manche Leute haben tatsächlich nichts anderes von ihrem Vermögen als die Angst, es zu verlieren.»

Antoine de Rivarol, französischer Schriftsteller (1753 – 1801)

In Börsenkrisen geht es hektisch zu und her an den Kapitalmärkten. Oft überschlagen sich die Ereignisse auf Wochen- oder sogar Tagesbasis. Ein gutes Beispiel ist der Rückschlag an den Aktienmärkten, der im abgelaufenen April stattgefunden hat. Die überraschende Ankündigung willkürlich festgelegter Zölle durch den amerikanischen Präsidenten Donald Trump hat die Aktien- und Anleihenmärkte weltweit auf Talfahrt geschickt. Selbstverständlich hätten wir diese Ereignisse mit einem Schreiben an unsere Klientel kommentieren und bewerten können. Doch was hätte Ihnen das, geschätzte Kundinnen und Kunden – und nur das zählt für uns – gebracht? Herzlich wenig: Unter dem Druck steigender Zinsen – eine gewaltige Last für den ohnehin schon stark verschuldeten amerikanischen Staat – kapitulierte Trump bereits wenige Tage später und legte die verkündeten Zölle auf Eis, so dass sich die Märkte rasch wieder erholten. Unsere wenige Tage zuvor an unsere Kundinnen und Kunden versandte Information wäre zu diesem Zeitpunkt bereits wieder obsolet geworden und wir hätten uns wohl veranlasst gesehen, bereits eine Woche nach unserer ersten Einschätzung eine weitere folgen zu lassen. Im Extremfall – und dieser ist in Börsenkrisen gar nicht so selten – führt das dazu, dass wir Ihnen innerhalb weniger Wochen zahlreiche Informationsschreiben zukommen liessen. Dieses Vorgehen macht aus unserer Sicht keinen Sinn, denn es schürt Unsicherheit und Hektik erst recht.

«Was Trump tut und sagt, ist komplett bedeutungslos für einen langfristig orientierten und global diversifizierten Investor.»

Markus Städeli, Wirtschaftsredaktor, «NZZ am Sonntag», 1. Juni 2025

Wir sind langfristig denkende und handelnde Vermögensverwalter. Von kurz- und mittelfristigen Prognosen sowie von kurzfristigem Trading halten wir nichts. Gerade in Börsenkrisen sind gute Nerven, eine ruhige Hand und Disziplin gefordert. Das geht nur, wenn man sich von den Turbulenzen an den Märkten nicht verrückt machen lässt. Im Grunde ist aus unserer Sicht in jeder Börsenkrise dies das Wichtigste: Am langfristig definierten Anlagekonzept festhalten und nach Möglichkeit antizyklische Chancen nutzen – so wie im April letzten Jahres! Wenn die Aktienmärkte einbrechen, ist es die vorrangige Aufgabe unserer Portfoliomanager, bei Neukunden, deren Portfolios im Aufbau stehen, systematisch und antizyklisch Aktien dazuzukaufen. Bei Kunden, deren Portfolio vollständig investiert ist, wird antizyklisch ein Rebalancing – bei Titeln, die gut gelaufen sind, werden durch Teilverkäufe Gewinne mitgenommen, während bei Titeln, die zur Schwäche neigten, dazugekauft wird – vollzogen. Dasselbe erfolgt auf Stufe der Branchen. Darüber hinaus werden bei gemischten Portfolios in Schwächephasen Aktien zulasten von Anleihen dazugekauft – das Umgekehrte erfolgt in Haussen. Wer nun glaubt, in turbulenten Zeiten sei es wichtig, rasch zu handeln, täuscht sich. Hektisches und oft unüberlegtes Trading kostet in der Regel Rendite. Aus unserer Erfahrung spielt es langfristig auch keine Rolle, welche Kundenportfolios in hektischen Zeiten etwas früher oder später bewirtschaftet werden. Da wir wie alle Experten keine Kristallkugel besitzen und die kurzfristige Entwicklung an den Märkten nicht abschätzen können, entspricht es letztlich dem puren Zufall, ob im Einzelfall tiefer oder höher gekauft oder verkauft wird.

Der Fokus unseres Teams in Börsenbaissen liegt in der konsequenten Umsetzung unserer antizyklischen Anlagephilosophie. Wenn Sie also in turbulenten Zeiten nichts von uns hören, heisst das nicht, dass wir untätig sind. Im Gegenteil: Wir setzen mit ruhiger Hand genau das um, was wir Ihnen versprochen haben. Das bringt langfristig viel mehr, als sich mit irrationalen Entscheidungen mächtiger Politiker herumzuschlagen oder zu versuchen, kurzfristiges Timing zu betreiben. Dieses ist über kurz oder lang zum Scheitern verurteilt. Wer es trotzdem versucht, handelt unter dem Eindruck negativer Schlagzeilen in aller Regel prozyklisch und verkauft seine Aktien zu Unzeiten. Wir haben das in den bald 40 Jahren unseres Bestehens immer wieder erlebt. Wer in turbulenten Zeiten nervös wird, verkauft zu Unzeiten und oft zu Tiefstpreisen.

«Wir werden die Arzneimittelpreise um 100 Prozent, in einigen Fällen sogar um 300 Prozent oder mehr senken.»

Donald Trump, Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika – mit seinem Ende September verkündeten Statement hebelt er einfache und für über 99% der Menschheit unumstössliche mathematische Grundregeln aus

Weiterhin werden wir unsere Kundinnen und Kunden halbjährlich über das weltweite Anlagegeschehen und unsere Haltung zu den Finanzmärkten informieren. Selbstverständlich sind Sie darüber hinaus jederzeit frei, uns respektive Ihren Kundenberater nach einer Einschätzung zu fragen. Wir stehen Ihnen immer gerne zur Verfügung. Dabei wird der Kern unserer Antwort in Phasen kriselnder Märkte immer derselbe sein und bleiben: Ruhe bewahren, die Nerven nicht verlieren, den Lärm der Kapitalmärkte sowie der Politik so gut wie möglich ausblenden und nach Möglichkeit die Chancen packen, entgegen dem Herdentrieb antizyklisch Aktien dazuzukaufen respektive innerhalb der Aktienquote ein Rebalancing durchzuführen.

Für das neue Jahr 2026 wünschen wir Ihnen und Ihren Lieben das Allerbeste, vor allen Dingen Gesundheit. Für das grosse Vertrauen, das Sie uns entgegenbringen, bedanken wir uns ganz herzlich und freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit!

Mit herzlichen Grüssen, im Namen des ganzen «Hotz-Teams», Ihr

Dr. Pirmin Hotz


3. Januar 2026

Autor

Dr. Pirmin Hotz